
Erweiterung Haus des Waldes
SYLVATORIUM
Stuttgart, Degerloch
Realisierungswettbewerb 2026
Erweiterung des Kompetenzzetrums für Waldpädagogik durch einen "Bildungsbaum"
Ausloberin: Forst Baden-Württemberg
Nutzung: Bildung/Freizeit
Team
Matthias Schneider freier Architekt
ah Landschaftsarchitekten
Offene Beobachtungs- und Erfahrungsstruktur
Das Sylvatorium ermöglicht den Wald nicht nur vom Boden aus, sondern auch in seiner vertikalen Dimension zu erleben. Es erweitert die Perspektive, eröffnet neue Blick- und Aufenthaltspositionen innerhalb der verschiedenen Waldschichten und fungiert als Beobachtungsstation, Lernraum und ersten Anknüpfungspunkt zum Handeln. Besucherinnen und Besucher können hier den Wald erkunden, spüren und in seiner räumlichen Komplexität wahrnehmen. Das Sylvatorium versteht sich als ein Werkzeug, das sowohl für die eigenständige Erkundung, wie auch als Anschauungsmaterie verstanden werden kann. Es vereint drei zentrale Ebenen der didaktischen Arbeit mit dem Wald: Erleben, Vermitteln, Handeln.
Das Sylvatorium ist als integraler Bestandteil des Campus konzipiert und stärkt dessen inhaltliche wie räumliche Präsenz. Durch seine Positionierung am südöstlichen Rand des Ensembles entsteht ein unmittelbarer Bezug zum Wald, der das Eintauchen in die Natur erleichtert und gleichzeitig die vorhandenen Blickachsen und räumlichen Strukturen des Campus aufgreift. Vorhandene Wege und Aufenthaltsflächen, wie bspw. das grüne Klassenzimmer (Steinkreis) und der Steg auf dem Biotop werden an das Sylvatorium angebunden. Von der Ausstellungshalle kann das Sylvatorium über einen an der Galerie anschließenden Steg erschlossen werden. Durch seine räumliche Nähe an Station 1 des Sinneswandel-Pfades kann es zudem eine wertvolle Ergänzung darstellen.
Integration in den natürlichen und baulichen Bestand
Die Gesamtkonzeption knüpft an die klare Struktur des hochbaulichen Bestandes an. Die präzise Setzung der Bauten als Campus und die sachliche Architektur der Ausstellungshalle werden in der Konstruktion des Sylvatoriums aufgegriffen und in einen spannenden Dialog zwischen Bestand und Ergänzung überführt. Durch einen leichten Knick im Anschluss an die Galerieebene der Ausstellungshalle löst sich die Struktur aus der strengen Geometrie des Campus und beginnt im vorhandenen Wald zu verschwimmen. Insbesondere in den Sommermonaten tritt das Sylvatorium dadurch stärker in den Hintergrund und scheint zwischen den Bäumen zu verschwinden. Als Position wird eine kleine Lichtung auf dem Grundstück ausgemacht. Die Freianlagen orientieren sich an der natürlichen Struktur des Waldes: Geschwungene Wege im Bestand werden bei der Zuwegung zum Sylvatorium fortgeführt, sodass der ideale Standort zwischen den vorhandenen Bäumen erreicht wird.




Erleben
Der Weg hinauf bis in die Nähe der Baumkronen wird selbst zu einem eigenständigen Erlebnis und ermöglicht wiederholte Perspektiv- und Sinneswechsel. Aufweitungen entlang der Struktur schaffen Orte für Beobachtung und differenzierte Beobachtungsposten. Stationen, die gezielt die Sinneswahrnehmung ansprechen und zum Ausprobieren einladen, fördern intensive Naturerlebnisse und eröffnen neue Zugänge zum Wald.
Vermitteln
Als offener Lern- und Arbeitsraum bietet die Struktur Raum für Gruppenarbeit, Austausch und gemeinsames Forschen. Die Bereiche Waldboden, Stamm und Krone sind als eigene Reallabore (bzw. Themenpalttformen) konzipiert, sodass insbesondere Kinder und Jugendliche hier eigenständig forschen können. Beobachtungen aus dem Wald können aufgenommen, diskutiert und weiterentwickelt werden. Die räumlichen Situationen des Sylvatoriums unterstützen dabei sowohl informelle Gespräche als auch strukturierte Lernformate und ermöglichen die Sicherung und Reflexion von Ergebnissen. Eine Plattform auf Ebene 1 bietet ausreichend Raum für eine ganze Schulklasse und dient als Ausgangs- und Treffpunkt.
Handeln
Mit der „Wandel-Wand“ wird der Schritt vom Erlebten und Gelernten zur aktiven Mitgestaltung vollzogen. Als partizipatives Element lädt sie dazu ein, selbst mit einem ersten Schritt zum Erhalt und zur Förderung von Lebensräumen beizutragen. In die Struktur integrierte Bereiche bieten Platz für Nist- und Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen, ähnlich dem Prinzip eines Lebensturms (NABU). In der begleitenden Kreativwerkstatt gefertigte Nistmöglichkeiten oder kleine Habitatmodule können von Kindern- und Jugendlichen gestaltet und anschließend in die Struktur eingehängt werden. Ergänzt durch gezielte Begrünung entstehen so neue Lebensräume, die den Wald nicht nur erfahrbar machen, sondern aktiv stärken.



Wohnstätte
Altlandsberg
3. Preis, Realisierungswettbewerb 2026
Neubau einer Wohnstätte für KInder und Jugendliche mit Förderbedarf
Ausloberin: Landkreis Märkisch-Oderland
Nutzung: Wohnen
BGF: 1.790 m2
Team
Harris + Kurrle Architekten
Gänßle und Hehr Landschaftsarchitekten

Gemeinsame Wohnstätte in einem gegliederten Haus
Die Wohnstätte ist als Ensemble aus drei eigenständigen Häusern konzipiert, in denen jeweils eine Gruppe in überschaubaren Wohngruppen zusammenleben. Jedes Haus bildet ein klar strukturiertes ZuHause mit vertrauten Abläufen, festen Bezugspunkten und einer geschützten Atmosphäre. Die übersichtliche Organisation unterstützt Orientierung, Sicherheit und individuelle Entwicklung. Durch die versetzte Anordnung der Baukörper entstehen klar gefasste Außenräume: ein Vorplatz als adressbildender Auftakt sowie zwei differenzierte Freibereiche, die alters- und bedarfsgerecht gestaltet sind. Dies ermöglicht sowohl Rückzug als auch Bewegung und Spiel. Der geschützte Binnenraum zwischen den Häusern bildet die gemeinsame Mitte. Hier sind Besucherraum, Snoezelraum und Mehrzweckraum angeordnet. Kurze Wege, transparente Bezüge und eine klare Zonierung fördern Begegnung, Teilhabe und soziale Interaktion.
Wohngruppe als gemeinschaftliche Wohnform
Die einzelne Wohngruppe ist als überschaubare Einheit für sechs Kinder bzw. jungen Erwachsenen unterschiedlichen Alters und Geschlechts konzipiert. Eine Garderobe mit klarer Akzentfarbe bildet die Adresse der Gruppe. Innerhalb der Wohngruppe steht der gemeinschaftliche Gruppenbereich als zentraler Ort des täglichen Zusammenlebens. Hier findet das gesellschaftliche Leben statt. Die Individualräume sind um diesen Bereich angeordnet; notwendige Verkehrs- und Erschließungsflächen werden dabei selbstverständlich integriert und vergrößern die Mitte des gemeinsamen Wohnbereichs. Das Konzept legt großen Wert auf das ausgewogene Verhältnis von Gemeinschaft und Rückzug. Eine räumliche Gliederung in eine Essnische und Wohnnische mit Kuschelecke ermöglicht gleichzeitig unterschiedliche Aktivitäten innerhalb des Gruppenbereichs. So können innerhalb des gemeinschaftlichen Bereichs binnendifferenzierte Aktivitäten stattfinden. Jeweils zwei Individualräume bilden eine „Wohnung in der Wohnung“ und teilen sich ein Bad. Diese
Zuordnung stärkt den individuellen Rückzug im kleineren Rahmen. Die Zugänge zu den Zimmern erfolgen nicht direkt vom Gruppenraum, sondern über eine räumliche Schwelle. Dadurch wird Privatheit räumlich und akustisch spürbar unterstützt.






